ARM vs. x86: Was ist ein ARM-Prozessor und wo liegt der Unterschied?

ARM oder x86? Wir erklären verständlich, was ein ARM-Prozessor ist, worin er sich von klassischen x86-Chips unterscheidet und warum ARM immer wichtiger wird.

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Ob im Smartphone, im neuen Apple-MacBook oder im Raspberry Pi: Immer häufiger stecken sogenannte ARM-Prozessoren in unseren Geräten. Gleichzeitig laufen die meisten klassischen Windows-PCs seit Jahrzehnten mit x86-Chips von Intel oder AMD. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen ARM und x86 – und warum gewinnt ARM gerade so stark an Bedeutung? In diesem Artikel erklären wir beide Architekturen verständlich und zeigen, wo sie ihre Stärken haben.

Was ist ein Prozessor eigentlich?

Der Prozessor (CPU) ist das Rechenzentrum jedes Computers, Smartphones oder Tablets. Er führt die Befehle aus, aus denen Programme und Betriebssysteme bestehen. Damit ein Prozessor Software überhaupt versteht, braucht er eine feste Sprache – den sogenannten Befehlssatz oder die Befehlssatzarchitektur (englisch: Instruction Set Architecture, kurz ISA). Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen ARM und x86: Es sind zwei grundverschiedene Befehlssatz-Familien, die Software auf unterschiedliche Weise verarbeiten.

Was ist ein ARM-Prozessor?

ARM steht für Advanced RISC Machines. Der Name verrät bereits das Grundprinzip: ARM-Prozessoren basieren auf dem RISC-Ansatz (Reduced Instruction Set Computing), also einem bewusst schlanken Befehlssatz. Die CPU beherrscht dabei nur relativ wenige, einfache Grundbefehle, die sie sehr schnell und energiesparend abarbeitet. Komplexere Aufgaben werden aus mehreren dieser einfachen Befehle zusammengesetzt.

Eine Besonderheit von ARM ist das Geschäftsmodell. Das britische Unternehmen Arm stellt selbst keine Chips her, sondern lizenziert seine Architektur an andere Firmen. Unternehmen wie Apple, Qualcomm, Samsung oder MediaTek entwerfen auf dieser Grundlage ihre eigenen Prozessoren. Deshalb finden sich ARM-Kerne in extrem vielen unterschiedlichen Geräten wieder – vom günstigen Einsteiger-Smartphone bis zum High-End-Laptop.

Was ist x86?

x86 ist die klassische Architektur der PC-Welt. Sie geht auf den Intel-Prozessor 8086 aus dem Jahr 1978 zurück, daher der Name. Heute wird x86 (in seiner 64-Bit-Variante oft „x86-64“ oder „x64“ genannt) vor allem von Intel und AMD hergestellt und steckt in den meisten Windows-Notebooks, Desktop-PCs und vielen Servern.

Anders als ARM folgt x86 dem CISC-Prinzip (Complex Instruction Set Computing). Der Befehlssatz ist also deutlich umfangreicher und enthält auch komplexe Befehle, die in einem Schritt mehrere Rechenoperationen erledigen können. Das kann bei rechenintensiven Aufgaben Vorteile bringen, macht die Chips aber tendenziell komplexer und energiehungriger.

ARM vs. x86: Die wichtigsten Unterschiede

Beide Architekturen erledigen im Grunde denselben Job, gehen dabei aber unterschiedliche Wege. Diese Punkte sind entscheidend:

Energieeffizienz und Wärme

Der größte Trumpf von ARM ist die Effizienz. Durch den schlanken Befehlssatz verbrauchen ARM-Prozessoren bei vielen Aufgaben spürbar weniger Strom und erzeugen weniger Abwärme. Das ist ideal für Geräte mit Akku: Ein Smartphone oder ein ARM-Laptop kommt oft deutlich länger ohne Steckdose aus und benötigt seltener aktive Kühlung mit lauten Lüftern. x86-Chips holen bei der Effizienz zwar auf, kommen bei geringem Verbrauch aber meist nicht an ARM heran.

Leistung

Lange galt x86 als überlegen, wenn es um pure Rechenleistung ging – etwa bei anspruchsvollen Spielen, Videoschnitt oder professioneller Software. Dieser Vorsprung ist heute weitgehend geschmolzen. Moderne ARM-Chips wie Apples M-Serie zeigen, dass ARM auch im Hochleistungsbereich mithalten und x86 in vielen Benchmarks sogar überholen kann – bei gleichzeitig niedrigerem Verbrauch.

Software-Kompatibilität

Hier liegt der klassische Nachteil von ARM auf dem Desktop. Programme werden für eine bestimmte Architektur kompiliert. Software, die für x86 geschrieben wurde, läuft auf einem ARM-Prozessor nicht automatisch. Damit ältere Programme trotzdem funktionieren, kommen Übersetzungsschichten (Emulation) zum Einsatz – zum Beispiel Rosetta 2 bei Apple oder die Emulation unter Windows on ARM. Das funktioniert inzwischen erstaunlich gut, kann aber etwas Leistung kosten. Bei x86 stellt sich dieses Problem im PC-Alltag kaum, weil praktisch alle Windows-Programme für diese Architektur vorliegen.

Lizenzmodell

Während ARM als lizenzierbare Architektur von vielen Herstellern genutzt wird, liegt x86 fest in den Händen von Intel und AMD. Das erklärt, warum die ARM-Welt so vielfältig ist und warum Firmen wie Apple oder Qualcomm ihre Chips stark auf die eigenen Geräte zuschneiden können.

Wo begegnet dir ARM im Alltag?

ARM ist längst allgegenwärtig, auch wenn viele es nicht wissen:

  • Smartphones und Tablets: Praktisch alle Handys – ob Android oder iPhone – nutzen ARM-Prozessoren.
  • Apple-Macs: Seit 2020 stattet Apple seine MacBooks, iMacs und Mac minis mit den selbst entwickelten ARM-Chips der M-Serie aus und hat sich damit von Intel-Prozessoren verabschiedet.
  • Windows-Laptops: Mit Chips wie Qualcomms Snapdragon-X-Reihe kommen zunehmend auch Windows-Notebooks mit ARM auf den Markt, die besonders lange Akkulaufzeiten bieten.
  • Raspberry Pi und IoT: Der beliebte Mini-Computer Raspberry Pi setzt ebenso auf ARM wie unzählige smarte Geräte im Haushalt.
  • Rechenzentren: Auch bei Servern setzt sich ARM immer stärker durch, weil der geringe Stromverbrauch bei großen Serverfarmen bares Geld spart.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Stärken von ARM: sehr energieeffizient, wenig Abwärme, lange Akkulaufzeiten, gut skalierbar vom Winzchip bis zum Hochleistungsprozessor.

Schwächen von ARM: ältere x86-Software läuft nur über Emulation, teils noch geringere Auswahl an nativer Desktop-Software.

Stärken von x86: riesiges, gewachsenes Software-Ökosystem, volle Kompatibilität mit Windows-Programmen, bewährt bei Gaming und professionellen Anwendungen.

Schwächen von x86: höherer Stromverbrauch und mehr Abwärme, dadurch oft kürzere Akkulaufzeiten und aufwendigere Kühlung.

Fazit: Welche Architektur ist besser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht – es kommt auf den Einsatzzweck an. Wer maximale Kompatibilität mit klassischer Windows-Software, Spielen und Spezialprogrammen braucht, ist mit x86 nach wie vor gut bedient. Wer dagegen Wert auf lange Akkulaufzeit, leisen Betrieb und Effizienz legt, profitiert von einem ARM-Prozessor. Der Trend zeigt klar in Richtung ARM: Immer mehr Hersteller setzen darauf, und die Software-Welt zieht Schritt für Schritt nach. Für die meisten Nutzerinnen und Nutzer läuft es am Ende darauf hinaus, dass beide Architekturen im Alltag zuverlässig funktionieren – der Unterschied fällt vor allem bei Akkulaufzeit und Spezialsoftware auf.