Was ist Low-Code / No-Code-Entwicklung?

Low-Code und No-Code ermöglichen Software-Entwicklung mit wenig oder ganz ohne Programmierung. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede, Einsatzgebiete sowie Vor- und Nachteile.

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Software zu entwickeln galt lange als Aufgabe, die fundierte Programmierkenntnisse voraussetzt. Mit dem Aufkommen von Low-Code- und No-Code-Plattformen hat sich das gewandelt: Heute können auch Menschen ohne klassische Entwicklerausbildung funktionierende Anwendungen erstellen. Doch was steckt genau hinter diesen Begriffen, wie unterscheiden sie sich und wo liegen ihre Grenzen? Dieser Ratgeber gibt einen verständlichen Überblick über die Low-Code- und No-Code-Entwicklung.

Die Grundidee hinter Low-Code und No-Code

Beide Ansätze verfolgen dasselbe Ziel: die Erstellung von Software zu vereinfachen und zu beschleunigen. Statt Code Zeile für Zeile zu schreiben, arbeitet man überwiegend visuell. Anwendungen werden aus vorgefertigten Bausteinen zusammengesetzt, etwa per Drag-and-drop. Die Plattform übersetzt diese visuellen Vorgaben im Hintergrund automatisch in funktionierenden Programmcode.

Der entscheidende Vorteil liegt in der Geschwindigkeit und der niedrigeren Einstiegshürde. Aufgaben, die früher Wochen an Entwicklungsarbeit erforderten, lassen sich so oft in wenigen Tagen umsetzen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Low-Code und No-Code?

Obwohl die Begriffe häufig gemeinsam genannt werden, beschreiben sie unterschiedliche Stufen der Vereinfachung.

No-Code

No-Code-Plattformen kommen vollständig ohne das Schreiben von Programmcode aus. Die gesamte Anwendung wird über grafische Oberflächen, vorgefertigte Vorlagen und Konfigurationsmenüs erstellt. Diese Lösungen richten sich gezielt an sogenannte "Citizen Developer", also Fachanwender ohne technischen Hintergrund. Typische Beispiele sind einfache Webseiten, Formulare, mobile Apps oder Automatisierungen von Arbeitsabläufen.

Low-Code

Low-Code geht einen Schritt weiter und erlaubt es, an bestimmten Stellen eigenen Code zu ergänzen. Der Großteil der Anwendung entsteht zwar weiterhin visuell, doch für komplexe Logik, individuelle Schnittstellen oder besondere Funktionen können Entwickler manuell eingreifen. Low-Code richtet sich daher eher an Personen mit technischen Grundkenntnissen oder an professionelle Entwickler, die ihre Arbeit beschleunigen möchten.

Vereinfacht gesagt: No-Code ist für maximale Einfachheit gedacht, während Low-Code mehr Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten bietet.

Wie funktionieren solche Plattformen technisch?

Im Kern basieren beide Ansätze auf wiederverwendbaren Komponenten und einer visuellen Entwicklungsumgebung. Zu den zentralen Bausteinen gehören typischerweise:

  • Visuelle Editoren: Oberflächen, auf denen man Elemente wie Buttons, Eingabefelder oder Tabellen per Maus anordnet.
  • Vorgefertigte Bausteine: Fertige Funktionsmodule für häufige Aufgaben, etwa Anmeldungen, Datenbankzugriffe oder Benachrichtigungen.
  • Datenmodelle: Werkzeuge zur Definition, wie Informationen gespeichert und miteinander verknüpft werden.
  • Logik-Bausteine: Regeln und Abläufe, die festlegen, was bei bestimmten Aktionen passieren soll, oft in Form von "Wenn-Dann"-Bedingungen.
  • Integrationen: Vorgefertigte Verbindungen zu anderen Diensten und Systemen über Schnittstellen.

Aus diesen Elementen entsteht die Anwendung, ohne dass die zugrunde liegende technische Komplexität sichtbar wird.

Typische Einsatzgebiete

Low-Code und No-Code eignen sich besonders für Anwendungen, die schnell verfügbar sein müssen oder klar abgrenzbare Aufgaben erfüllen. Häufige Beispiele sind:

  • Interne Werkzeuge für Unternehmen, etwa zur Erfassung von Daten oder zur Verwaltung von Aufgaben.
  • Automatisierung wiederkehrender Arbeitsabläufe zwischen verschiedenen Programmen.
  • Einfache mobile Apps oder Webanwendungen.
  • Prototypen, mit denen sich Ideen schnell testen lassen, bevor in eine aufwendige Entwicklung investiert wird.

Vorteile von Low-Code und No-Code

Der größte Pluspunkt ist die deutlich gesteigerte Geschwindigkeit. Anwendungen lassen sich schneller entwickeln und anpassen, was Unternehmen flexibler macht. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von knappen Entwicklerressourcen, da auch Fachabteilungen eigene Lösungen erstellen können. Weitere Vorteile sind die geringeren Kosten für einfache Projekte sowie die einfachere Wartung, da viele technische Details von der Plattform übernommen werden.

Grenzen und mögliche Nachteile

So praktisch diese Ansätze sind, sie haben klare Grenzen. Sehr komplexe oder hochspezialisierte Anwendungen lassen sich oft nicht vollständig abbilden, weil die vorgefertigten Bausteine nicht jede Anforderung abdecken. Ein weiterer Punkt ist die Abhängigkeit vom Anbieter: Wer eine Anwendung auf einer bestimmten Plattform aufbaut, ist meist an deren Funktionsumfang, Preise und Verfügbarkeit gebunden. Ein späterer Wechsel kann aufwendig sein.

Auch bei der Skalierbarkeit und Performance können Einschränkungen auftreten, wenn eine Anwendung stark wächst. Schließlich sollten Aspekte wie Datenschutz und Sicherheit beachtet werden, da sensible Daten über die Plattform verarbeitet werden.

Für wen eignet sich der Ansatz?

No-Code ist ideal für Fachanwender, die ohne technische Vorkenntnisse einfache Anwendungen oder Automatisierungen umsetzen möchten. Low-Code richtet sich an Teams, die Entwicklung beschleunigen wollen, ohne auf individuelle Anpassbarkeit zu verzichten. Für hochkomplexe Software mit speziellen Anforderungen bleibt klassische Programmierung jedoch häufig die bessere Wahl. Oft ergänzen sich die Ansätze auch: Standardaufgaben werden visuell gelöst, während Spezialfälle weiterhin individuell programmiert werden.

Fazit

Low-Code- und No-Code-Entwicklung machen die Erstellung von Software schneller und zugänglicher. No-Code verzichtet vollständig auf Programmierung, Low-Code erlaubt ergänzenden Code für mehr Flexibilität. Beide eignen sich hervorragend für interne Werkzeuge, Automatisierungen und Prototypen, stoßen aber bei sehr komplexen Anwendungen an Grenzen. Wer die Stärken und Schwächen kennt, kann gezielt entscheiden, wann sich der Einsatz lohnt und wann klassische Entwicklung sinnvoller bleibt.

Mehr zum Thema findest du in unserer Übersicht: Software & Entwicklung: Alle Artikel im Überblick.

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