Wie funktioniert ein GPS-System?

GPS bestimmt Ihre Position mithilfe von Satelliten und präzisen Zeitsignalen. Wir erklären verständlich, wie die Ortung funktioniert und warum sie manchmal ungenau ist.

Teilen

Ob im Auto, beim Wandern oder beim Joggen mit der Smartwatch: Die satellitengestützte Ortung ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die meisten Menschen nutzen GPS täglich, ohne genau zu wissen, was im Hintergrund passiert. Wie schafft es ein kleines Gerät, die eigene Position auf wenige Meter genau zu bestimmen? In diesem Ratgeber erklären wir verständlich, wie ein GPS-System funktioniert, welche Rolle Satelliten und Zeitsignale spielen und warum die Ortung manchmal ungenau ist.

Was bedeutet GPS eigentlich?

GPS steht für Global Positioning System, auf Deutsch globales Positionsbestimmungssystem. Es wurde ursprünglich vom US-Militär entwickelt und steht heute weltweit kostenlos zur Verfügung. Streng genommen ist GPS nur eines von mehreren Satellitennavigationssystemen. Daneben gibt es das europäische Galileo, das russische GLONASS und das chinesische BeiDou. Viele moderne Geräte nutzen mehrere dieser Systeme gleichzeitig, der Einfachheit halber spricht man im Alltag aber meist von GPS.

Die drei Bausteine des Systems

Ein Satellitennavigationssystem besteht grundsätzlich aus drei Teilen, die zusammenarbeiten:

  • Das Weltraumsegment: Die Satelliten, die in rund 20.000 Kilometern Höhe die Erde umkreisen und ständig Signale aussenden.
  • Das Kontrollsegment: Bodenstationen, die die Satelliten überwachen, ihre Bahnen berechnen und die Uhren synchronisieren.
  • Das Nutzersegment: Die Empfangsgeräte wie Smartphones, Navigationsgeräte oder Smartwatches.

Wichtig ist dabei: Die Satelliten senden nur, sie empfangen nichts von Ihrem Gerät. Das bedeutet auch, dass die Satelliten nicht wissen, wo Sie sind. Die Positionsberechnung findet ausschließlich in Ihrem Empfangsgerät statt.

Das Grundprinzip: Entfernung über Zeit messen

Das Herzstück der GPS-Ortung ist eine einfache physikalische Überlegung. Jeder Satellit sendet permanent ein Funksignal aus, das unter anderem die genaue Sendezeit und die Position des Satelliten enthält. Dieses Signal bewegt sich mit Lichtgeschwindigkeit, also mit etwa 300.000 Kilometern pro Sekunde.

Ihr Gerät empfängt das Signal und vergleicht die enthaltene Sendezeit mit der aktuellen Empfangszeit. Aus der winzigen Differenz lässt sich berechnen, wie lange das Signal unterwegs war. Multipliziert man diese Laufzeit mit der Lichtgeschwindigkeit, ergibt sich die Entfernung zum jeweiligen Satelliten. Weil das Signal so schnell ist, müssen die Uhren extrem genau gehen, weshalb in den Satelliten hochpräzise Atomuhren verbaut sind.

Trilateration: Vom Abstand zur Position

Die Entfernung zu einem einzigen Satelliten reicht für eine Ortung noch nicht aus. Sie verrät nur, dass Sie sich irgendwo auf einer riesigen Kugeloberfläche rund um diesen Satelliten befinden. Erst durch die Kombination mehrerer Satelliten wird der Standort eindeutig. Dieses Verfahren nennt man Trilateration.

Man kann es sich bildlich vorstellen: Die Entfernung zum ersten Satelliten beschreibt eine Kugel. Kommt ein zweiter Satellit hinzu, schneiden sich beide Kugeln in einem Kreis. Ein dritter Satellit grenzt die möglichen Punkte auf wenige Stellen ein. Damit lässt sich die Position auf der Erdoberfläche bereits bestimmen.

In der Praxis braucht ein Empfänger mindestens vier Satelliten. Der vierte wird benötigt, um den Zeitfehler der vergleichsweise einfachen Uhr im Empfangsgerät auszugleichen. So kann das Gerät neben Länge und Breite auch die Höhe über dem Meeresspiegel berechnen. Je mehr Satelliten in Sichtweite sind, desto genauer fällt das Ergebnis aus.

Warum GPS manchmal ungenau ist

Unter freiem Himmel arbeitet GPS oft auf wenige Meter genau. Es gibt jedoch zahlreiche Faktoren, die die Genauigkeit verschlechtern können:

  • Abschattung: Hohe Gebäude, dichte Wälder oder Tunnel blockieren die Sicht zu den Satelliten.
  • Signalreflexionen: In Häuserschluchten werden Signale von Fassaden zurückgeworfen, was die Laufzeitmessung verfälscht.
  • Atmosphärische Einflüsse: Die Ionosphäre und die Erdatmosphäre können das Signal leicht verzögern.
  • Wenige sichtbare Satelliten: Sind weniger als vier Satelliten erreichbar, leidet die Genauigkeit oder die Ortung schlägt fehl.

Aus diesem Grund kann es in Innenräumen oder in einer Tiefgarage passieren, dass die Ortung gar nicht funktioniert.

Wie Smartphones die Ortung beschleunigen

Wer schon einmal beobachtet hat, wie schnell das Smartphone die Position findet, fragt sich vielleicht, wie das so flott geht. Tatsächlich nutzen Mobilgeräte ein unterstützendes Verfahren namens Assisted GPS, kurz A-GPS. Dabei werden zusätzliche Daten über das Mobilfunknetz oder das Internet geladen, etwa die aktuellen Satellitenbahnen. Dadurch muss das Gerät diese Informationen nicht mühsam direkt von den Satelliten empfangen, was sonst deutlich länger dauern würde.

Zusätzlich greifen Smartphones auf weitere Hilfsmittel zurück. Die Position bekannter WLAN-Netze und Mobilfunkmasten hilft, den Standort grob einzugrenzen oder die Ortung in Gebäuden zu verbessern. Bewegungssensoren unterstützen die Navigation, wenn das Signal kurz abbricht.

Typische Anwendungen im Alltag

Die Einsatzmöglichkeiten gehen weit über die klassische Navigation hinaus. GPS steckt heute in unzähligen Diensten:

  • Routenführung im Auto und auf dem Fahrrad
  • Aufzeichnung von Lauf- und Wanderstrecken bei Fitnessgeräten
  • Standortbestimmung in Kartendiensten und Lieferapps
  • Zeitsynchronisierung von Computernetzwerken und Stromnetzen

Fazit

Ein GPS-System bestimmt Ihre Position, indem Ihr Gerät die Laufzeit der Funksignale mehrerer Satelliten misst und daraus per Trilateration den Standort berechnet. Präzise Atomuhren in den Satelliten und mindestens vier sichtbare Satelliten machen die Ortung auf wenige Meter genau möglich. Hindernisse wie Gebäude oder Tunnel können die Genauigkeit jedoch einschränken. Dank unterstützender Verfahren wie A-GPS findet vor allem das Smartphone die Position heute schneller und zuverlässiger denn je.

Mehr zum Thema findest du in unserer Übersicht: Mobile & Funktechnik: Alle Artikel im Überblick.

Verwandte Artikel