Wie funktioniert Gesichtserkennung?

Vom Entsperren des Smartphones bis zur Foto-Sortierung: Wir erklären verständlich, wie Gesichtserkennung technisch funktioniert und worauf man achten sollte.

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Das Smartphone entsperrt sich, sobald wir es anschauen, die Fotos-App sortiert Bilder nach Personen und an manchen Flughäfen ersetzt ein Kamerablick den Reisepass: Gesichtserkennung ist längst Teil unseres Alltags geworden. Doch wie schafft es ein Computer eigentlich, ein menschliches Gesicht zu erkennen und einer bestimmten Person zuzuordnen? In diesem Ratgeber erklären wir verständlich, wie Gesichtserkennung Schritt für Schritt funktioniert, welche Rolle künstliche Intelligenz dabei spielt und wo die Technik an ihre Grenzen stößt.

Was bedeutet Gesichtserkennung genau?

Hinter dem Oberbegriff Gesichtserkennung verbergen sich mehrere unterschiedliche Aufgaben, die man nicht verwechseln sollte:

  • Gesichtsdetektion: Hier geht es nur darum, festzustellen, ob und wo sich ein Gesicht im Bild befindet. Genau das nutzt etwa eine Kamera, um auf Gesichter scharfzustellen.
  • Gesichtsverifikation: Dabei wird geprüft, ob ein Gesicht zu einer bestimmten, vorab hinterlegten Person gehört. Das ist der Fall beim Entsperren des eigenen Smartphones.
  • Gesichtsidentifikation: Hier wird ein Gesicht mit vielen gespeicherten Profilen verglichen, um herauszufinden, um wen es sich handelt.

Allen gemeinsam ist, dass das Gesicht in messbare Daten übersetzt werden muss, mit denen ein Computer arbeiten kann.

Schritt 1: Das Gesicht im Bild finden

Zunächst muss das System überhaupt erkennen, dass ein Gesicht vorhanden ist. Dazu durchsucht die Software das Bild nach typischen Mustern, etwa der Anordnung von Augen, Nase und Mund. Moderne Verfahren setzen hier auf trainierte neuronale Netze, die anhand vieler Beispielbilder gelernt haben, wie ein Gesicht aussieht – auch aus verschiedenen Winkeln oder bei wechselnder Beleuchtung.

Schritt 2: Das Gesicht vermessen

Ist ein Gesicht gefunden, wird es analysiert. Das System bestimmt sogenannte Merkmalspunkte, etwa die Position der Augenwinkel, der Nasenspitze oder der Mundwinkel. Aus diesen Punkten lassen sich charakteristische Größen ableiten, beispielsweise der Abstand zwischen den Augen oder das Verhältnis bestimmter Gesichtspartien zueinander.

Wichtig ist: Moderne Systeme speichern in der Regel kein Foto, sondern wandeln das Gesicht in eine Zahlenfolge um. Dieser digitale Fingerabdruck des Gesichts wird oft als Template oder als Merkmalsvektor bezeichnet. Er beschreibt das Gesicht so kompakt, dass es sich später schnell mit anderen vergleichen lässt.

Schritt 3: Vergleich und Zuordnung

Im letzten Schritt wird der errechnete Merkmalsvektor mit einem oder mehreren gespeicherten Vektoren verglichen. Das System berechnet dabei, wie ähnlich sich zwei Gesichter sind. Liegt die Ähnlichkeit über einem festgelegten Schwellenwert, gilt die Person als erkannt.

Da zwei Aufnahmen desselben Menschen nie hundertprozentig identisch sind – Lichtverhältnisse, Blickwinkel und Mimik ändern sich –, arbeitet die Gesichtserkennung immer mit Wahrscheinlichkeiten. Der Schwellenwert entscheidet darüber, wie streng das System ist. Wird er zu niedrig gewählt, steigt die Gefahr von Verwechslungen; ist er zu hoch, wird die berechtigte Person womöglich nicht erkannt.

Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz?

Den großen Sprung in der Qualität verdankt die Gesichtserkennung dem maschinellen Lernen, insbesondere den tiefen neuronalen Netzen. Diese Netze werden mit sehr vielen Gesichtsbildern trainiert und lernen dabei selbstständig, welche Merkmale ein Gesicht eindeutig machen. Das Ergebnis sind deutlich robustere Systeme, die auch mit Brille, Bart oder ungünstigem Licht oft zuverlässig arbeiten.

Allerdings gilt: Ein solches System ist immer nur so gut wie die Daten, mit denen es trainiert wurde. Sind in den Trainingsdaten bestimmte Personengruppen unterrepräsentiert, kann die Erkennung für diese Gruppen schlechter funktionieren.

Wie wird verhindert, dass ein Foto austrickst?

Eine berechtigte Frage lautet: Lässt sich eine Gesichtserkennung nicht einfach mit einem ausgedruckten Foto überlisten? Dagegen setzen viele Systeme auf eine sogenannte Lebenderkennung. Sie prüft, ob wirklich ein lebendiger Mensch vor der Kamera steht. Dazu kommen verschiedene Techniken zum Einsatz:

  • 3D-Sensoren oder Infrarotkameras, die die Tiefe und Form eines Gesichts erfassen und so eine flache Fotografie erkennen
  • die Analyse kleiner Bewegungen wie Blinzeln oder leichter Kopfbewegungen
  • die Auswertung der Reflexion von projizierten Lichtpunkten auf der Haut

Beim Entsperren eines aktuellen Smartphones arbeitet die Kamera deshalb häufig mit einer Tiefenerfassung statt mit einem einfachen Bild.

Wo wird Gesichtserkennung eingesetzt?

Die Anwendungsbereiche sind breit gefächert. Zu den bekanntesten gehören:

  • das Entsperren von Smartphones und das Bestätigen von Zahlungen
  • das automatische Sortieren von Fotos nach abgebildeten Personen
  • die Zutrittskontrolle in Gebäuden oder an Grenzkontrollen
  • die Identitätsprüfung bei manchen Online-Diensten

Welche Grenzen und Risiken gibt es?

Gesichtserkennung ist beeindruckend, aber nicht unfehlbar. Schlechte Lichtverhältnisse, starke Verdeckungen oder ungewöhnliche Blickwinkel können die Erkennung erschweren. Zudem handelt es sich bei Gesichtsdaten um besonders schützenswerte personenbezogene Daten. Aus Sicht des Datenschutzes ist daher wichtig, wo und wie diese Daten gespeichert werden. Bei vielen Smartphones bleiben die Gesichtsdaten ausschließlich lokal auf dem Gerät in einem besonders gesicherten Bereich und werden nicht an Server übertragen.

Beim Einsatz im öffentlichen Raum, etwa zur Videoüberwachung, ist Gesichtserkennung aus gutem Grund umstritten und unterliegt in der EU strengen rechtlichen Vorgaben. Als Nutzer sollte man bewusst entscheiden, welchen Diensten man Zugriff auf seine biometrischen Daten gewährt.

Fazit

Gesichtserkennung verwandelt ein Gesicht in eine Folge von Messwerten und vergleicht diese mit gespeicherten Mustern. Dank moderner KI ist die Technik heute schnell und in vielen Situationen zuverlässig. Gleichzeitig bleibt sie eine Wahrscheinlichkeitsrechnung mit klaren Grenzen. Wer versteht, wie Gesichtserkennung arbeitet, kann ihre Vorteile nutzen und zugleich bewusster mit den eigenen biometrischen Daten umgehen.

Mehr zum Thema findest du in unserer Übersicht: Künstliche Intelligenz: Alle Artikel im Überblick.

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